Gesundheit wird häufig sehr individuell gedacht.
Wie schlafen Sie? Wie ernähren Sie sich? Bewegen Sie sich genug? Wie gehen Sie mit Stress um?
Dabei wird manchmal übersehen, dass auch unsere Beziehungen einen wichtigen Teil unseres Wohlbefindens ausmachen.
Die WHO beschreibt soziale Verbindung inzwischen ausdrücklich als relevante Dimension von Gesundheit. Dabei geht es nicht nur darum, wie viele Menschen wir kennen, sondern auch um Unterstützung und um die Qualität unserer Beziehungen.
Man kann viele Kontakte haben und sich trotzdem einsam fühlen
Einsamkeit und Alleinsein sind nicht dasselbe.
Manche Menschen verbringen gerne Zeit allein und fühlen sich dabei verbunden und zufrieden. Andere sind von Kolleginnen, Freunden oder Familie umgeben und fühlen sich trotzdem einsam.
Entscheidend ist deshalb nicht allein die Anzahl unserer Kontakte.
Wichtiger kann sein:
Fühle ich mich gesehen? Kann ich mich jemandem anvertrauen? Gibt es Menschen, bei denen ich nicht ständig eine Rolle erfüllen muss?
Gute Beziehungen können Ressourcen sein
Menschen können uns praktische Unterstützung geben, zuhören, eine andere Perspektive anbieten oder einfach mit uns durch schwierige Phasen gehen.
Aber Beziehungen sind keine Einbahnstraße. Nähe entsteht häufig auch dadurch, dass wir selbst bereit sind, Bedürfnisse zu kommunizieren, Verletzlichkeit zuzulassen und Unterstützung anzunehmen.
Gerade Menschen, die gewohnt sind, vieles allein zu bewältigen, finden das manchmal schwieriger, als anderen zu helfen.
Nicht jede Beziehung tut gut
„Soziale Kontakte sind gesund“ bedeutet nicht, dass möglichst viele Beziehungen automatisch besser sind.
Beziehungen können auch Stress verursachen.
Dauerhafte Konflikte, Kritik, fehlende Verlässlichkeit oder das Gefühl, immer geben und kaum empfangen zu müssen, können emotional belastend sein.
Deshalb gehört zur sozialen Gesundheit nicht nur Verbindung, sondern auch die Qualität der Verbindung. Genau diese Unterscheidung zwischen Struktur, Funktion und Qualität sozialer Beziehungen nimmt auch die WHO vor.
Beziehungen brauchen Aufmerksamkeit
Im vollen Alltag werden soziale Beziehungen schnell zu dem Bereich, der übrig bleibt, wenn alles andere erledigt ist.
Dabei muss Verbindung nicht immer aus großen Unternehmungen bestehen.
Eine Nachricht. Ein gemeinsamer Spaziergang. Zehn Minuten echtes Gespräch ohne nebenbei auf das Handy zu schauen.
Kleine Momente können Beziehungen pflegen, vorausgesetzt, sie fühlen sich tatsächlich nach Verbindung an.
Vielleicht lohnt sich deshalb gelegentlich die Frage:
Bei welchen Menschen kann ich wirklich ich selbst sein, und welchen Beziehungen möchte ich in meinem Leben mehr Raum geben?