Stressige Phasen gehören für viele Menschen zum Berufsleben. Problematisch kann es werden, wenn hohe Anforderungen zum Dauerzustand werden und gleichzeitig Zeit, Einflussmöglichkeiten oder Ressourcen fehlen, um sich ausreichend zu erholen.
Burnout-Prävention bedeutet deshalb nicht nur, persönlich besser mit Stress umgehen zu lernen. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Bedingungen Stress immer wieder entstehen lassen, und was sich daran verändern lässt.
Wenn Anforderungen und Ressourcen nicht mehr zusammenpassen
Nicht jede hohe Arbeitsbelastung führt automatisch zu Burnout. Ein hilfreicher Ansatz aus der Arbeitspsychologie betrachtet deshalb das Verhältnis zwischen Anforderungen und verfügbaren Ressourcen: Dauerhaft hohe Anforderungen können besonders dann belastend werden, wenn gleichzeitig wichtige Ressourcen wie Handlungsspielraum, Unterstützung oder ausreichende Erholung fehlen.
Besonders herausfordernd kann es werden, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen:
- dauerhaft hohe Arbeitsbelastung oder Zeitdruck
- wenig Einfluss auf Entscheidungen und Arbeitsabläufe
- unklare oder widersprüchliche Erwartungen
- fehlende Unterstützung durch Führungskräfte oder Kolleginnen und Kollegen
- ständige oder gefühlte Erreichbarkeit
- zu wenig Zeit für Pausen und Erholung
- hohe emotionale Anforderungen
Dabei lohnt sich der Blick nicht nur auf die Menge der Arbeit. Auch fehlende Kontrolle, Konflikte, mangelnde Unterstützung oder unklare Rollen können langfristig belasten.
Grenzen schaffen und von der Arbeit abschalten
Laptop und Smartphone ermöglichen flexibles Arbeiten, können aber auch den Übergang zwischen Beruf und Privatleben erschweren.
Gerade bei Remote- oder hybrider Arbeit können klare Start- und Endzeiten, bewusste Pausen und ein Ritual zum Abschluss des Arbeitstages helfen. Entscheidend ist dabei auch die Möglichkeit, psychologisch von der Arbeit abzuschalten.
Denn wer nach Feierabend gedanklich weiterhin E-Mails beantwortet, Konflikte durchspielt oder die Aufgaben des nächsten Tages plant, hat zwar aufgehört zu arbeiten, aber möglicherweise noch nicht begonnen, sich zu erholen.
Auch die eigenen Ansprüche spielen eine Rolle
Nicht alle Stressfaktoren kommen von außen.
Gedanken wie „Ich darf niemanden enttäuschen“, „Ich muss das noch schaffen“ oder „Wenn ich es nicht selbst mache, wird es nicht richtig“ können dazu beitragen, eigene Grenzen immer wieder zu überschreiten.
Psychologische Strategien können helfen, solche Muster wahrzunehmen und zu hinterfragen. Dabei geht es nicht darum, weniger engagiert zu sein, sondern einen Umgang mit Leistung zu entwickeln, der langfristig tragfähig ist.
Wenn Führungsverantwortung hinzukommt
Führung kann zusätzliche Anforderungen mit sich bringen: Entscheidungen treffen, Verantwortung für Mitarbeitende übernehmen, unterschiedliche Erwartungen ausbalancieren und gleichzeitig die eigenen Aufgaben bewältigen.
Delegation, realistische Prioritäten und klare Kommunikation können helfen, die eigene Belastung zu steuern. Gleichzeitig beeinflussen Führungskräfte mit, wie im Team mit Stress umgegangen wird, beispielsweise ob Pausen und Grenzen akzeptiert werden oder permanente Erreichbarkeit selbstverständlich erscheint.
Was schützt langfristig?
Burnout-Prävention kann auf verschiedenen Ebenen ansetzen. Persönlich können klare Grenzen, ausreichende Erholung, soziale Unterstützung und ein bewussterer Umgang mit eigenen Ansprüchen hilfreich sein.
Genauso wichtig sind jedoch die Arbeitsbedingungen: realistische Anforderungen, ausreichende Ressourcen, Handlungsspielraum, Unterstützung und eine Arbeitskultur, in der Erholung möglich ist.
Achtsamkeit, Bewegung oder Entspannungsverfahren können wertvolle Ressourcen sein. Sie sollten jedoch nicht dazu dienen, dauerhaft problematische Arbeitsbedingungen besser auszuhalten.
Eine hilfreiche Frage lautet deshalb nicht nur:
„Wie kann ich besser mit dieser Belastung umgehen?“
sondern auch:
„Was müsste sich verändern, damit diese Belastung langfristig tragbar wird?“
Psychologische Unterstützung kann dabei helfen, beide Ebenen zu betrachten und herauszufinden, wo konkrete Veränderungen möglich sind.
Quellen & weiterführende Literatur
- World Health Organization. Burn-out an occupational phenomenon: International Classification of Diseases (ICD-11).
- Bakker, A. B. & Demerouti, E. (2017). Job Demands, Resources Theory: Taking Stock and Looking Forward. Journal of Occupational Health Psychology.
- Wendsche, J. & Lohmann-Haislah, A. (2017). A Meta-Analysis on Antecedents and Outcomes of Detachment from Work. Frontiers in Psychology.
- World Health Organization. (2022). WHO Guidelines on Mental Health at Work.