Manchmal verändert sich nicht der Job.
Sondern wir selbst.
Eine Tätigkeit, die vor einigen Jahren gut zum eigenen Leben gepasst hat, kann sich irgendwann nicht mehr richtig anfühlen. Prioritäten verändern sich, Lebensumstände werden andere oder die Vorstellung davon, wie man arbeiten möchte, entwickelt sich weiter.
Dann kann eine berufliche Veränderung gleichzeitig spannend und verunsichernd sein.
Arbeit ist häufig mehr als Einkommen
Unser Beruf gibt vielen Menschen Struktur, soziale Kontakte und ein Gefühl von Kompetenz.
Und manchmal ist er Teil der eigenen Identität.
Ich bin Ärztin.
Ich bin Führungskraft.
Ich arbeite seit fünfzehn Jahren in diesem Unternehmen.
Wenn sich die berufliche Rolle verändert, geht es deshalb nicht nur um einen neuen Arbeitsvertrag.
Aktuelle Forschung zu Karriereübergängen beschäftigt sich ausdrücklich mit diesem Zusammenspiel von beruflicher Veränderung und Identität. Übergänge verlaufen dabei nicht zwingend linear; Menschen können unterschiedliche mögliche berufliche Selbstbilder ausprobieren und weiterentwickeln.
Warum Veränderungen selbst dann Angst machen, wenn wir unzufrieden sind
Bekanntes vermittelt eine gewisse Sicherheit.
Wir kennen die Kolleginnen und Kollegen, wissen, was von uns erwartet wird und können einschätzen, was morgen passiert.
Ein neuer Weg bringt dagegen Fragen mit sich:
Was, wenn ich die Entscheidung bereue?
Was, wenn ich im neuen Job nicht gut genug bin?
Was, wenn ich Sicherheit aufgebe und nichts Besseres finde?
Dass solche Gedanken auftauchen, bedeutet nicht automatisch, dass man bleiben sollte.
Es bedeutet zunächst, dass Veränderung Unsicherheit mit sich bringt.
Nicht nur fragen: „Was will ich beruflich erreichen?“
Karriereentscheidungen werden häufig über Position, Gehalt oder Entwicklungsmöglichkeiten betrachtet.
Mindestens genauso wichtig können jedoch andere Fragen sein:
Wie möchte ich eigentlich leben?
Wie viel Raum soll Arbeit einnehmen? Wie wichtig sind Flexibilität, Sicherheit, Sinn, Autonomie, Familie, finanzielle Entwicklung oder Führungsverantwortung?
Ein Job kann auf dem Papier attraktiv sein und trotzdem nicht zum aktuellen Leben passen.
Und ein beruflicher Schritt, der von außen wie ein Rückschritt aussieht, kann persönlich genau die richtige Richtung sein.
Der neue Weg muss nicht sofort zur neuen Identität werden
Gerade bei größeren beruflichen Veränderungen entsteht manchmal der Wunsch, sofort zu wissen:
Das ist jetzt meine neue Richtung.
Aber berufliche Übergänge können Phasen des Ausprobierens beinhalten. Forschung beschreibt Karrierewechsel entsprechend aus Perspektiven von Entscheidung, Anpassung, Beziehungen und Identität, nicht lediglich als einmalige Wahl zwischen zwei Jobs.
Vielleicht braucht es zunächst Erfahrungen, bevor klarer wird, was langfristig passt.
Was soll Arbeit in meinem Leben ermöglichen?
Diese Frage finde ich oft hilfreicher als:
Was müsste der nächste logische Karriereschritt sein?
Denn berufliche Entwicklung muss nicht immer bedeuten, höher, schneller oder prestigeträchtiger zu werden.
Sie kann auch bedeuten, eine Arbeitsweise zu finden, die besser zu dem Menschen und dem Leben passt, das Sie heute haben.
Psychologische Begleitung kann dabei helfen, eigene Werte, Ängste und Erwartungen voneinander zu unterscheiden und berufliche Entscheidungen nicht ausschließlich danach zu treffen, was man vermeintlich tun „sollte“.