Wenn von Bewegung und Gesundheit die Rede ist, denken viele Menschen zuerst an Fitnessziele, Schrittzahlen oder Sportprogramme.
Dabei ist Bewegung viel mehr als Training.
Spazierengehen, Radfahren, Tanzen, Schwimmen, Gartenarbeit, Yoga oder Krafttraining, all das kann Bewegung sein. Und regelmäßige körperliche Aktivität ist nicht nur für unsere körperliche Gesundheit relevant, sondern auch für unser psychisches Wohlbefinden. Die WHO fasst unter körperlicher Aktivität entsprechend weit mehr als klassischen Sport und berichtet unter anderem Vorteile für psychische Gesundheit, Schlaf und allgemeines Wohlbefinden.
Bewegung muss kein weiteres Leistungsziel sein
Gerade wenn wir ohnehin viel leisten, kann auch Bewegung schnell zu einem weiteren Punkt auf der To-do-Liste werden.
Ich müsste häufiger trainieren.
Ich sollte mehr Schritte machen.
Andere schaffen es doch auch.
Dann verliert eine eigentlich gesundheitsfördernde Aktivität schnell ihren unterstützenden Charakter.
Für die psychische Gesundheit ist nicht entscheidend, dass jede Bewegung besonders intensiv oder effizient ist.
Die wichtigere Frage kann sein:
Welche Form von Bewegung passt zu meinem Leben und tut mir tatsächlich gut?
Bewegung kann unterschiedliche Funktionen erfüllen
Manchmal brauchen wir Bewegung, um nach einem langen Tag körperlich aktiv zu werden. Manchmal hilft ein Spaziergang, gedanklich Abstand zu gewinnen. Ein anderes Mal kann Sport ein Gefühl von Kraft oder Selbstwirksamkeit vermitteln.
Und manchmal ist Bewegung vor allem sozial: gemeinsam spazieren gehen, einen Kurs besuchen oder mit jemandem Sport treiben.
Diese unterschiedlichen Funktionen dürfen sich verändern.
Ein Training, das in einer Lebensphase wunderbar funktioniert, muss nicht automatisch in die nächste passen.
Etwas ist besser als nichts
Ein häufiges Hindernis ist das Alles-oder-nichts-Denken.
Wenn keine Stunde für Sport verfügbar ist, machen wir gar nichts. Wenn wir unser geplantes Training verpassen, betrachten wir die Woche als gescheitert.
Dabei muss Bewegung nicht perfekt geplant sein, um wertvoll zu sein.
Zehn Minuten spazieren gehen, mit dem Fahrrad einkaufen oder zwischendurch den Körper bewegen ist nicht „zu wenig“, nur weil es kein vollständiges Workout ist.
Bewegung unterstützt, sie löst nicht alles
Bewegung kann ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Lebens sein. Sie ist aber weder ein Allheilmittel noch sollte fehlende Bewegung zur Erklärung für jede psychische Belastung werden.
Depression, Angst, chronischer Stress oder andere psychische Beschwerden entstehen nicht einfach dadurch, dass jemand „zu wenig Sport macht“.
Gesundheitsfördernd wird Bewegung deshalb besonders dann, wenn sie eine Ressource ist und nicht eine weitere Quelle von Druck.
Vielleicht ist die hilfreichste Frage deshalb nicht: Wie viel müsste ich eigentlich trainieren?
Sondern:
Welche Bewegung würde meinem Körper heute guttun?