Ein neuer Job, ein Umzug, das Ende einer Beziehung oder eine andere wichtige Lebensentscheidung: Manche Veränderungen wünschen wir uns lange, und sind trotzdem überrascht, wenn sie sich nicht nur gut anfühlen.
Denn ein Neuanfang bedeutet häufig nicht nur, dass etwas Neues beginnt. Gleichzeitig endet etwas Vertrautes.
Deshalb können Freude, Unsicherheit, Trauer und Hoffnung manchmal gleichzeitig auftreten.
Veränderung bedeutet auch, Vertrautes loszulassen
Selbst positive Veränderungen können zunächst Kraft kosten.
Gewohnte Routinen funktionieren nicht mehr. Beziehungen verändern sich. Rollen müssen neu ausgehandelt werden. Dinge, über die wir vorher kaum nachdenken mussten, erfordern plötzlich Aufmerksamkeit.
Vielleicht haben Sie sich bewusst für einen neuen Job entschieden, und vermissen trotzdem die vertrauten Kolleginnen und Kollegen.
Vielleicht wollten Sie unbedingt umziehen, und fühlen sich in der neuen Umgebung zunächst fremd.
Oder Sie wissen, dass eine Trennung richtig war, und trauern trotzdem um die gemeinsame Zeit.
Dass eine Veränderung richtig sein kann, bedeutet nicht, dass sie sich ausschließlich gut anfühlen muss.
Das Dazwischen kann besonders schwierig sein
Lebensübergänge haben häufig eine Phase, in der das Alte nicht mehr richtig passt, das Neue aber noch nicht vertraut geworden ist.
Genau dieses Dazwischen kann sich ungewohnt anfühlen.
Wer bin ich jetzt? Wie wird mein Alltag aussehen? Habe ich die richtige Entscheidung getroffen? Werde ich mich irgendwann wieder zuhause fühlen?
Wir wünschen uns in solchen Phasen häufig möglichst schnell Klarheit. Doch Anpassung braucht Zeit.
Nicht jede Unsicherheit ist deshalb ein Zeichen dafür, dass etwas falsch läuft.
Auch die eigene Identität kann sich verändern
Viele unserer Rollen sind eng mit unserem Selbstbild verbunden.
Wir sind Partnerin oder Partner, Führungskraft, Kollegin, Tochter, Freund, jemand, der in einer bestimmten Stadt lebt oder seit vielen Jahren einen bestimmten Beruf ausübt.
Wenn sich eine dieser Rollen verändert, kann deshalb eine größere Frage auftauchen:
Wer bin ich, wenn dieser Teil meines bisherigen Lebens wegfällt oder sich verändert?
Das kann verunsichern, gleichzeitig kann darin auch die Möglichkeit liegen, neu zu überlegen, was im nächsten Lebensabschnitt wichtig sein soll.
Ambivalenz gehört häufig dazu
Bei großen Veränderungen suchen wir manchmal nach einem eindeutigen Gefühl.
Wenn es die richtige Entscheidung ist, müsste ich mich doch glücklich fühlen.
So eindeutig funktionieren Menschen allerdings selten.
Sie können erleichtert sein und gleichzeitig traurig.
Sich auf etwas freuen und Angst davor haben.
Etwas vermissen und trotzdem nicht zurückwollen.
Diese Gefühle schließen sich nicht gegenseitig aus.
Was in Übergangsphasen helfen kann
Es kann hilfreich sein, nicht sofort von sich zu verlangen, im neuen Leben vollständig angekommen zu sein.
Vertraute Routinen, soziale Kontakte und kleine Strukturen können Halt geben, während anderes noch unsicher ist.
Gleichzeitig lohnt sich die Frage:
Was möchte ich aus meinem bisherigen Leben mitnehmen, und was darf sich verändern?
Psychologische Begleitung kann dabei helfen, widersprüchliche Gefühle zu sortieren, eigene Werte und Bedürfnisse klarer wahrzunehmen und Schritt für Schritt Orientierung im Neuen zu entwickeln.
Ein Lebensübergang muss sich nicht sofort richtig anfühlen, um der Beginn von etwas Gutem zu sein.