Alle Artikel
Gesundheit & Wohlbefinden

Ständig erreichbar: Wie digitale Gewohnheiten unsere Erholung beeinflussen

Nur noch kurz die E-Mails überprüfen. Eine Nachricht beantworten. Auf eine Benachrichtigung reagieren. Smartphones und digitale Kommunikation erleichtern vieles. Gleichzeitig ist dadurch eine Grenze verschwommener…

Nur noch kurz die E-Mails überprüfen. Eine Nachricht beantworten. Auf eine Benachrichtigung reagieren.

Smartphones und digitale Kommunikation erleichtern vieles. Gleichzeitig ist dadurch eine Grenze verschwommener geworden, die früher häufig klarer war: Wann sind wir eigentlich wirklich nicht mehr erreichbar?

Dabei ist nicht das Smartphone an sich das Problem. Entscheidend ist vielmehr, wie wir es nutzen, und ob es uns noch gelingt, gedanklich von Arbeit und anderen Anforderungen Abstand zu gewinnen.

Erreichbar sein ist nicht dasselbe wie arbeiten

Manchmal reicht bereits die Möglichkeit, dass etwas kommen könnte.

Das Handy liegt auf dem Tisch. Eine berufliche Nachricht erscheint. Wir lesen sie nur kurz, beantworten sie vielleicht nicht einmal.

Und trotzdem beschäftigt uns das Thema anschließend.

Forschung zu Arbeit außerhalb regulärer Arbeitszeiten zeigt, dass digitale Erreichbarkeit mit Schwierigkeiten beim psychologischen Abschalten und Konflikten zwischen Arbeit und Freizeit zusammenhängen kann. Gleichzeitig ist der Zusammenhang nicht für jeden Menschen gleich: Autonomie, Erwartungen und persönliche Präferenzen für die Trennung von Arbeit und Privatleben spielen ebenfalls eine Rolle.

Das eigentliche Thema sind Grenzen

Deshalb halte ich wenig von pauschalen Regeln wie:

„Erwachsene sollten höchstens zwei Stunden Bildschirmzeit haben.“

Die Forschung gibt keine universelle Zahl her, die für jeden Erwachsenen und jede Form der Bildschirmnutzung sinnvoll wäre.

Eine Videokonferenz mit einem wichtigen Menschen ist etwas anderes als eine Stunde gedankenloses Scrollen. Eine berufliche E-Mail am Samstagabend kann wiederum eine ganz andere Wirkung haben als ein Film.

Hilfreicher ist die Frage:

Welche digitale Nutzung tut mir gut, und welche hält mich in einem Zustand ständiger Reaktion?

Benachrichtigungen erzeugen kleine Unterbrechungen

Wenn jede App unsere Aufmerksamkeit jederzeit einfordern darf, entscheiden nicht mehr nur wir selbst, worauf wir uns gerade konzentrieren.

Deshalb kann es hilfreich sein, unnötige Push-Benachrichtigungen auszuschalten, E-Mails zu bestimmten Zeiten abzurufen oder das Handy während konzentrierter Arbeit außer Sichtweite zu legen.

Nicht als „Digital Detox“.

Sondern um wieder bewusster entscheiden zu können, wann etwas unsere Aufmerksamkeit bekommt.

Feierabend braucht manchmal eine sichtbare Grenze

Besonders bei Homeoffice oder flexibler Arbeit fehlt häufig der räumliche Übergang zwischen Arbeit und Privatleben.

Ein kleines Abschlussritual kann helfen:

Laptop schließen. Offene Aufgaben für morgen notieren. Arbeitsmaterial aus dem Blickfeld räumen. Benachrichtigungen ausschalten.

Solche Grenzen garantieren keine Erholung. Aber sie können dem Gehirn helfen, nicht jede offene Aufgabe weiter im Hintergrund festzuhalten.

Psychologisches Abschalten von der Arbeit gilt in der Forschung als wichtiger Bestandteil von Erholung. Interventionen können dieses Abschalten zumindest in einem gewissen Maß verbessern.

Die Verantwortung liegt nicht nur bei Ihnen

Auch hier wäre es zu einfach zu sagen:

„Dann schalten Sie eben Ihr Handy aus.“

Wenn eine Führungskraft abends regelmäßig Nachrichten verschickt, schnelle Antworten erwartet oder eine Arbeitskultur permanente Verfügbarkeit belohnt, ist Erreichbarkeit nicht nur eine persönliche Gewohnheit.

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit zu Maßnahmen gegen After-hours-Erreichbarkeit zeigt entsprechend ein differenziertes Bild: Einzelne Regeln oder „Right to Disconnect“-Maßnahmen lösen das Problem nicht automatisch; Umsetzung, Führung, Flexibilität und Passung zur Person spielen eine wichtige Rolle.

Digitale Grenzen sind deshalb sowohl eine persönliche als auch eine strukturelle Frage.

Vielleicht lohnt sich heute ein kleiner Check:

Wann bin ich tatsächlich erreichbar, weil ich es möchte, und wann nur, weil es inzwischen selbstverständlich geworden ist?

In einem kostenlosen 15-minütigen Kennenlerngespräch können Sie mir kurz von Ihrer Situation erzählen und wir schauen gemeinsam, ob und wie ich Sie unterstützen kann.

Kennenlernen buchen