Mit der Geburt eines Kindes entsteht nicht nur ein neues Leben.
Auch das eigene kann sich grundlegend verändern.
Der Begriff Matreszenz beschreibt den Übergang zur Mutterschaft als Entwicklungs- und Veränderungsprozess. Er lenkt den Blick darauf, dass eine Frau nicht einfach von einem Tag auf den anderen „Mutter ist“, sondern sich auch psychologisch in eine neue Rolle hineinbewegt.
Der Begriff wird zunehmend in Forschung und klinischer Diskussion verwendet, die wissenschaftliche Konzeptualisierung entwickelt sich jedoch weiterhin. Er ist keine Diagnose.
„Ich bin Mutter, aber wer bin ich jetzt eigentlich?“
Vor einem Kind besteht das eigene Leben aus vielen Rollen.
Partnerin. Freundin. Berufstätige. Tochter. Kollegin. Sportlerin. Reisende. Oder einfach eine Person, die spontan entscheiden kann, wie sie ihren Samstag verbringt.
Mit einem Baby wird eine neue Rolle plötzlich sehr groß.
Gerade am Anfang kann sie fast alles andere überlagern.
Das kann wunderschön sein, und gleichzeitig die Frage auslösen:
Wo bin eigentlich ich geblieben?
Man kann sein Kind lieben und das frühere Leben vermissen
Dieser Gedanke löst bei manchen Müttern Schuldgefühle aus.
Sie vermissen Freiheit. Spontaneität. Arbeit. Schlaf. Zeit allein. Die frühere Beziehung. Ihren Körper oder einfach das Gefühl, für einige Stunden nur für sich selbst verantwortlich zu sein.
Doch etwas zu vermissen bedeutet nicht, dass man das neue Leben ablehnt.
Zwei Wahrheiten können gleichzeitig bestehen:
Ich liebe mein Kind.
Und manches an meinem früheren Leben fehlt mir.
Diese Ambivalenz ist kein Widerspruch.
Auch Beziehungen und Prioritäten verändern sich
Mutterschaft kann beeinflussen, wie Frauen ihre Arbeit, ihre Partnerschaft, Freundschaften und sogar die Beziehung zu den eigenen Eltern betrachten.
Manche Dinge erscheinen plötzlich weniger wichtig. Andere gewinnen enorm an Bedeutung.
Auch eigene Erfahrungen aus der Kindheit können stärker ins Bewusstsein treten:
Was möchte ich meinem Kind mitgeben?
Was möchte ich anders machen?
Was bedeutet für mich eigentlich eine gute Mutter zu sein?
Die eigene Identität muss nicht zurückkommen, sie darf sich weiterentwickeln
Nach der Geburt entsteht häufig der Wunsch:
Ich möchte mich wieder wie ich selbst fühlen.
Das ist verständlich.
Vielleicht besteht der Weg aber nicht immer darin, exakt zu der Person zurückzukehren, die man vorher war.
Manche Teile bleiben. Andere verändern sich. Neue kommen hinzu.
Die hilfreichere Frage kann deshalb irgendwann lauten:
Welche Version von mir möchte ich in diesem neuen Lebensabschnitt sein?
Psychologische Begleitung kann einen Raum schaffen, in dem diese Veränderungen nicht bewertet werden müssen.
Es geht nicht darum, die „richtige“ Art von Mutter zu werden.
Sondern darum, herauszufinden, wie Mutterschaft Teil der eigenen Identität werden kann, ohne dass sie die gesamte Identität ersetzen muss.